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Grit Bürgow

Grit Bürgow ist Diplom-Ingenieurin für Landschaftsplanung.

Sie studierte von 1992-1998 an der TU Berlin mit Schwerpunkt Gestaltung, Systemökologie und Ressourcenmanagement in urbanen Räumen und Landschaften.
Nach einem sechsmonatigen Studienpraktikum im Grand Canyon Nationalpark 1994/95 spezialisierte sie sich im Bereich regenerativer Wasserstrategien für Gebäude, Siedlungen und Wassereinzugsgebiete. Mit erfolgreichem Studienabschluss erhielt sie 1998/99 ein EU-LEONARDO-DA-VINCI-Stipendium und absolvierte ein praktisches Training in Ecological Engineering am Stensund Ecological Center in Schweden – einer europäischen Gewächshaus-Aquakultur zum produktiven Abwassermanagement. Von 1999 bis 2001 vertiefte sie ihre Expertise in den Bereichen Ecological Engineering, Ecological Design und Projektmanagement durch Mitarbeit in Architektur- und Planungsbüros in den USA, der Schweiz und Deutschland. Im Jahr 2002 gründete sie das Büronetzwerk aquatectura® und entwickelte ergänzend zur Solararchitektur das Designkonzept „Aquatectur“. Grit Bürgow ist im Vorstand der International Ecological Engineering Society (IEES) und hat nationale und internationale Projekterfahrung.

Kurzbeschreibung der Dissertation Urbane Aquakultur als blau-grüne Infrastruktur

- Fallbeispiele zur regenerativen Stadt-Landschafts-Transformation

Hintergrund: Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der 6,8 Mrd. Menschen auf der Welt in urbanen Räumen und Megacities. Im Jahr 2050 werden es zwei Drittel der bis dahin prognostizierten 9,2 Mrd. Menschen sein. Während das globale Bevölkerungswachstum fast zu 99% in Schwellen- und Entwicklungsländern stattfindet, steht Deutschland aufgrund des demografischen Wandels ein Rückgang um bis zu 11 Mio. Menschen bevor. Das Nebeneinander von Schrumpfung in peripheren Regionen und Wachstum in urbanen Räumen stellt besonders netzgebundene Energie- und Wasserinfrastrukturen global und lokal vor neue Herausforderungen in punkto Design, Management und Finanzierung. Zudem ist die Sicherung alltäglicher Lebensbedürfnisse nicht nur in Megacities wie Mexico City, Rio de Janeiro oder Kalkutta, sondern auch in Metropolregionen wie Berlin zunehmend ein Brennpunktthema. Es stellt sich die Frage, wie urbane Grundversorgung (Energie, Wasser, Lebensmittel) und urbane Lebensqualität (Erholung, Kultur, Bildung) möglichst positiv gestaltet und sichergestellt werden können?
Bedarf: Aquakultur ist seit Ende des 20. Jahrhunderts der Sektor der Landwirtschaft mit dem größten Wachstum. Jeder dritte weltweit verzehrte Fisch stammt mittlerweile aus Teichen, Netzgehegen, Tankanlagen oder Muschelleinen. Industrialisierte Aquakulturen sind mit erheblichen Risiken oder Umweltproblemen verbunden: Zu nennen sind etwa die enormen Nährstoffeinträge in Gewässer, die Hormonbelastung oder das Abholzen von Mangrovenwäldern. Demgegenüber sind die Potentiale integrierter Aquakulturen mit z. T. Jahrtausende alter Tradition – wie bspw. die Polykulturwirtschaft Asiens oder auch nachhaltige Aquakulturen in Mittel- und Osteuropa – an Hochtechnologiestandorten wie Deutschland bisher kaum bekannt und werden daher kaum genutzt.
Thesen: Im Gegensatz zu degradierenden Begleiterscheinungen können Aquakulturen auch "regenerativ" zum Zweck der beständigen Erneuerung lebenswichtiger Ressourcen, Prozesse und Qualitäten gestaltet werden. Im Kontext der sog. Megatrends der Nachhaltigkeit (Klimawandel und Versorgungssicherheit, Ressourcenverknappung, demografischer Wandel, Süßwassermangel und Desertifikation) können sie einen regenerativen Mehrwert erzeugen und wichtiger Baustein für urbane Daseins- und Risikovorsorge sowie umfassende Lebensqualität sein.
Ziel: Mit Bezug zum Konzept der Ökosystemdienstleistungen will die Dissertation die bisher kaum beleuchteten Möglichkeiten von „Urbanen Aquakulturen als blau-grüne Infrastrukturen" für ein solares Ressourcen- und Risikomanagement untersuchen. Im Fokus der explorativen und angewandten Forschung stehen verschiedene Aquakulturtypen für unterschiedliche Zwecke, deren Anwender sowie Möglichkeiten, sie auch in der Metropolregion Berlin einzusetzen. Dabei sollen Fragen urbaner Lebensqualität, Erholung und angewandter Bildung berücksichtigt sowie Brücken zu den kreativ-gestalterischen Aufgaben der Freiraumplanung in Wassereinzugsgebieten gebaut werden.
Ergebnis: Die Dissertation will einen Beitrag zum Süd-Nord- und Ost-West-Dialog und Transfer im Sinne des „voneinander Lernens“ leisten. Kulturhistorische Traditionen und zeitgemäßes Know-How können dabei zur tragfähigen Stadtlandschaftsentwicklung in metropolitanen und mega-urbanen Räumen beitragen.
Die Dissertation wird betreut von Prof. Dr. Stefan Heiland, Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Fachgebiet Landschaftsplanung und Landschaftsentwicklung der TU Berlin.